Yukon Tour 2014

Hier nun der komplette Bericht über unsere Expedition 2014:

IMG_2420-Ausschnitt                                                                                   Wie das Jahr zuvor – Im Outfit am Frankfurter Flughafen.IMG_2421 IMG_2428  So überwinterte unser Boot und die Ausrüstung auf dem Gelände von Roy.IMG_2446 IMG_2448                                                     Alter und neuer Teekessel auf dem Faltofen von Tentipi. Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Ausrüstung checken, was war noch von den Lebensmitteln brauchbar, was war sinnvoll mitzunehmen. Unsere Einkaufsliste wurde länger und länger. Wir mussten schleunigst los, sonst wären unsere guten Vorsätze nur das Nötigste mitzunehmen wohl schnell geplatzt. Wichtig war aber die Flugaufnahmen über den Lake Larberge mit Gerd Mansperger von Alpin Aviation  abzuklären und das Wichtigste überhaupt, den Kiel unseres Bootes zu kürzen.IMG_2442 IMG_2437Dies erwies sich aber mit den uns zur Verfügung gestellten kanadischen Werkzeugen und Maschinen als gar nicht so einfach. Jo wünschte sich so manches Mal seine Maschinen und seine Werkstatt herbei. Gut einen Meter Kiel schnitt ich mit einem Sägeblatt, die Finger durch einen Arbeitshandschuh geschützt, per Hand ab, fluchend über das mal wieder nach ein paar cm Schnittlänge leere Akku, hatte Jo schon für den Abend aufgegeben, dass wir den Kiel noch vor Sonnenuntergang abbekämen. Um kurz vor Mitternacht saßen wir dann jubelnd auf dem Kiel und begradigten den durch das schlechte Werkzeug teilweise schief verlaufenden Schnitt.IMG_2467 IMG_2505 IMG_2510 IMG_2618Start am Lake Larberge. Nach ca. 1 Stunde kreiste ein Wasserflugzeug über uns. Roy sass neben dem Piloten, ein Angestellter von Gerd und filmte uns während wir nur langsam vorankamen.IMG_2625 IMG_2633 IMG_2656 IMG_2854 Am dritten Tag unserer Fahrt brachte uns dann endlich auch ein wenig Rückenwind bis in den Abfluss des Sees. Hatten wir doch am ersten Tag , an  dem wir wegen den Flugaufnahmen erst gegen Mittag haben starten können, bei Windstille nur 14 km geschafft, so kämpften  wir bei Gegenwind uns am 2. Tag nur etwa 15 km voran. Mit dem Rückenwind des 3. Tages ging alles wie von selbst. Kaum Anstrengung, relaxtes Dahingleiten über rauschende Wellen. So hätte es weiter gehen dürfen.IMG_2758 IMG_2870 IMG_2717 IMG_2923   Hatten wir doch unsere Bordkanone das erste Mal über den Lake Larberge sprechen lassen, übten wir mit dem Unterhebelrepetierer, der Marlin, unserer modernen Versicherung bei den verschiedensten Gelegenheiten.                                             IMG_3008 IMG_3228-ausgerichtetNicht schwierig zu finden. Die Überreste des Raddampfers Evelyn.IMG_3255 IMG_3169 IMG_3334 IMG_3276Gut das wir in diesem Lager nicht solch aufdringliche Erdhörnchen vorfanden, wäre doch unser Käsevorrat schnell zur Neige gegangen. Der Platz bot sich hervorragend für einen Tag Pause an, wir reparierten, bastelten und genossen das herrliche Wetter.                                                        Dann gesellten sich 2 Deutsche zu uns, zum Tee eingeladen, wussten sie noch nicht, auf was sie sich da eingelassen hatten, denn in unserem Handelsboot war genügend Ware vorhanden und so hatten die Beiden kaum eine Chance  dem Kapitän, ohne unsere Reisekasse aufzubessern, zu entkommen.                                                                 IMG_3510 IMG_3534IMG_3537  IMG_3462 IMG_3400 IMG_3392 IMG_3341 IMG_3340                            Die Brücke bei Carmacks. Hier überquert der Highway 1 den Yukon. Nächste Überquerung : Dawson City, dann aber per Fähre!                                                                            IMG_3674 IMG_3755Fort Selkirk. Hier trafen wir den Schamanen Don Trudeau, den ich von einer früheren Reise her kannte. Weiter lernten wir hier noch Falk und seinen Vater Gunter kennen, die uns immer wieder auf unserer Reise begegneten und mit denen wir in Dawson noch die „Puppen“ tanzen lassen sollten.                                                                                                IMG_3740 IMG_3793 IMG_3786 IMG_3685 Nach einigen Tagen entschlossen wir uns, den nun nicht mehr notwendigen Ballast in Form unserer Seitenschwerter, eigentlich um den Abdrift beim Segeln zu reduzieren, zurück zu lassen. Diese hatten wir so konstruiert, dass wir daraus ein Floß bauen konnten, welches Halterungen für mein Stativ hatte. So konnte ich vom Wasser aus gefahrlos (für die Kamera) rund um unser Boot Aufnahmen machen, gewiss der Erkenntnis, das Joachim lieber Fotos macht als Filmaufnahmen.IMG_3839 IMG_3861IMG_3889 IMG_4004  IMG_3816 IMG_3966 Ein Seitenbach lud ein um frisches Trinkwasser zu holen. Seit dem der White River in den Yukon-River floss, sah das vermischte Yukon Wasser aus wie Milchkaffee.IMG_4081 IMG_4213   In Dawson City angekommen  lernten wir gleich Brat kennen, den Eigner eines Dampfschiffes, welches den alten Schaufelraddampfern die noch lange bis nach dem Goldrausch den Yukon befuhren, nachempfunden ist. Ein Dampfschiff aus der alten Zeit liegt auf dem Trockendock direkt an der Mainstream. Brat betrieb neben dem Ausflugsboot auch das Triple JJJ Hotel, Ehrensache für uns, dass wir uns dort für den Aufenthalt in Dawson eine Hütte nahmen.IMG_4071 IMG_4066Wir besichtigten die Jack London Hütte und das angeschlossenen Museum und sahen uns auch die Hütte von Robert Service an, der wie Jack London ein Schriftsteller aber auch ein Poet war und in Kanada sehr hohes Ansehen geniest.                                    IMG_4094 IMG_4120 Da ich bereits 2006 einen besonderen Cocktail habe in Dawson trinken können, war es für Red Bader Pflicht, dies im Downtown Hotel mir nach zu tun. Seit etlichen Jahren sitzt dort ein Vertreter von Kapitän River Rat (Flussratte) welcher einen abgehackten, menschlichen Zeh, gut konserviert auf Salz, dabei hat und in ein Glas mit Inhalt nach persönlichem Geschmack legt. Wichtig ist, um in den Club der „Sauerzehtrinker“ zu gelangen, das gute Stück mindesten mit den Lippen kurz zu berühren. Ein dort direkt ausgestelltes Zertifikat belegt die Mitgliedschaft im Club, deren Mitgliedszahl nun auf über 55.000 angestiegen ist.                                                                            Da wir uns auch eine „Jahreskarte“ bei Diamant Tooth Gerties, der einzigen legalen Spielhalle im Land, besorgten, kamen wir doch gleich an 3 Abenden zur Tanzshow. Hatten wir es nun der Redegewandtheit von Badger oder unserem historischem Outfit zu verdanken, wer weiss?Tatsache war, wir bekamen auf Umwegen eine nicht alltägliche Filmgenehmigung, um die Show professionell mit 2 Kameras zu filmen.                                  IMG_4196 IMG_4217Gleich als wir in Dawson City ankamen, trafen wir auf Holly, ein Deutscher welcher seit 14 Jahren am Yukon lebt. Er lud uns auf sein Hausboot  ein. Als wir ihn nach ein paar Tagen besuchten, waren in der Zwischenzeit Mario und Ramona Goldstein und Kameramann Patrick mit ihrem motorisierten Hausfloss angekommen, mit dem sie bis an die Beringsee fahren wollten. An diesem Abend erlebten wir eine musikalische Darbietung von Holly und Pavel, einem gebürtigen  Tschechen, welcher ebenfalls zu Besuch bei Holly war. Hatten diese doch am Abend vorher ein Musikvideo gedreht, wurden wir direkt dazu aufgefordert, mit ein paar Szenen von uns und unserem Boot mit zum Video beizutragen. Die Uraufführung des Videos wurde am 12.12.2014 in der Nähe von Dresden abgehalten, anlässlich der Vorstellung neuer Musikstücke für eine In Deutschland aufgenommene CD. Sobald das Musikvideo „mit uns als Darsteller“ veröffentlicht wird, werden wir es hier verlinken.

IMG_4314 IMG_4319Am Tage der Abreise aus Dawson bekamen wir durch Holly die Gelegenheit bei einem Live Radio Event als Gäste unsere Tour kurz vorzustellen, bevor es dann mal wieder rudernd Richtung Beringsee weiterging.                                                                                                            Gleich hinter Dawson City legten wir einen kurzen Stopp bei der Moosehide Indian Village ein. In Dawson hatten wir uns dafür extra eine Genehmigung geholt um das 1. Fishcamp in diesem Jahr der First Nation zu besichtigen. Erschrocken waren wir, dass die Bestände des Königslachs stark zurückgegangen sind, dieser für die kommenden 5 Jahre nicht mehr gefischt werden darf. Somit hatten die Natives Lachs vom Vorjahr auftauen müssen, um den Kindern des Camps die traditionelle Art und Weise der Fischkonservierung beizubringen. Die Natives sind auf jeden Fall sehr bemüht  ihre Tradition weiter zu lehren.                                                                                                                                                                                                                                                                          IMG_4333 IMG_4435

Am 19. July erreichten wir bei starkem Unwetter die Old Village am Fourty Mile River. Da ich mal wieder die Tiefe des Wassers überschätzt hatte, blieben wir in Sichtweite der ersten alten Hütten am  seichtem Ufer hängen und so hatten wir wirklich keinen Nerv mehr, nass wie die Biber, das Boot noch weiter in den Yukon River mündenden Fourty Mile River zu lenken. So richteten wir uns kurzerhand in einer Not- Cabin ein. Genau für solche Momente ist sie ja da.IMG_4437 IMG_4442   In der Cabin am Fourty Miles River hatten wir im Gästebuch einen Eintrag vom Siggi Fischer und  Walter Steinberg gelesen. Wir wussten nun, dass unsere Freunde nur 11 Tage vor uns sind. Es war nur ein Wunschgedanke von uns, dass wir sie noch einholen könnten. Das Wetter machte uns auch in den folgenden Tagen wieder einen Strich durch unsere Rechnung. Wir kämpften uns abermals bei Gegenwind den Fluss hinunter und kamen an dem Folgetag nur 29 km weit.IMG_4480 IMG_4478                           Dieses mal schlugen wir unser Camp gut 50m von der Uferböschung im Wald auf um dem ständigen Wind zu entkommen. Da es auch hier im Dickicht ohne direktem Blick zum Himmel sehr lange hell war, legten wir mal wieder ein Putz und Flick Stunde ein.                                        Am 21. July gegen 17 Uhr erreichten wir dann die Grenze zu Alaska. Hier schien zur Begrüßung endlich mal wieder die Sonne.

IMG_4519 IMG_4534 IMG_4546     Nach unserem ersten Lager in Alaska  erreichten wir am Folgetag Eagle, wo wir am „gelben Telefon“ der Zollbehörde unsere Angaben machten. Erledigte doch so etwas Badger , besser English sprechend wie ich, normalerweise für uns beide, musste ich in diesem Falle aber meine Angaben selber machen. Das ganze hatte uns fast eine halbe Stunde gekostet. Glücklich, nun legal in den U.S.A. eingereist zu sein, ging es dann nach gut einer Stunde weiter zu unserem mittlerweile erklärten Endziel Circle City. Unterwegs ließ sich auch endlich ein Elch sehen.              IMG_4572 IMG_4603 Mal wieder ordentlich nass geworden fanden wir eine Hütte, welche von Ranchern regelmäßig kontrolliert und in Ordnung gehalten werden. Hier konnten wir dann mit Tarp über Film.- und Fotokamera haltend, einen Schwarzbären beobachten, welcher versuchte von einer Insel zu uns herüber zu schwimmen. Wir konnten ihn eine Weile beobachten, doch kurz bevor er unser Ufer erreichte, war er hinter die nächste Flussbiegung abgetrieben worden. Ein Umstand, dem wir nicht gerade nachtrauerten.Die Gewehre befanden sich aber immer griffbereit in unserer Nähe.IMG_4607 IMG_4614 Am 24. July erreichten wir dann eine weitere für die Öffentlichkeit zugängliche Hütte. Slaven‘ s Roadhouse. Als wir ankamen hörten wir noch ein Motorengeräusch, dann waren wir alleine. Wir brachten alles Notwendige in die Hütte, bevor 2 Mädels in ihrem Buggy erschienen. Sie waren in den Sommermonaten beauftragt hier nach dem Rechten zu sehen. Nachdem uns die Beiden in ihrem Buggy (was für eine Fahrt durch Flussbette und über Stock und Stein!!!)  zu einem alten Goldwachbagger gefahren hatten, konnten wir dort noch einmal unser Glück mit der Pfanne probieren. Mittlerweile waren auch noch 2 Ranger (Vater und Sohn) aufgetaucht und so wurden wir zum gemeinsamen Essen eingeladen. Gut dass ich noch etwas Haribo Konfekt aus meiner Heimatstadt mitgebracht mir Jo diese auch noch übrig gelassen hatte. Ja man kannte Haribo sogar in Alaska! Die Schlacht um 2 Tüten Fruchtgummis ging  unentschieden aus.IMG_4720  IMG_4710 Wollten wir doch ursprünglich spätestens am Vormittage ablegen, waren wir mal wieder durch das Wetter zu einer Zwangspause gezwungen. Durch die starken Gegenwinde mit den Gedanken schon eine weiteren Nacht i, Slave’s Roadhouse verbringen zu müssen, legte der Wind sich in den frühen Abendstunden. So legten wir dann doch noch um 19 Uhr ab und fuhren bis 1 Uhr Nachts. Es wurde mittlerweile auch so hoch im Norden schon wieder etwas dunkel. Wir wollten nichts riskieren und so steuerten wir unseren nächsten Lagerplatz an.IMG_4746 IMG_4752 Auf unseren letzten Etappen blieb uns das Wetter durchgehend treu. Regen Wind und was sonst so alles Spaß macht. Wieder mal nass wie die Biber kamen wir am 28. July  um 13:45 Uhr in Circle City an. Unser traditionelles Regenzeug hat uns absolut überzeugt, dieses Experiment ist gelungen, nur bei dem ständig anhaltenden Wind, findet die Feuchtigkeit auch beim noch so tollsten Material einen Weg ins Innere.                                                                                                      Der einzige Laden im Ort, Cafeteria, Versammlungsort und dadurch Mittelpunkt von Circle City, hatte nur zwischen 12 und 16 Uhr geöffnet. Uff – Glück gehabt. Jeder 2 Burger und es ging uns ein wenig besser. Dann noch per Telefon den Rückflug buchen, bzw. umbuchen, da wir ja von hier aus nicht über Anchorage sondern auch von Fairbanks zurückfliegen konnten. Nach 2 Tagen in Circle kannte uns jeder und wir fast jeden, die Ausrüstung welche wir nicht wieder mit nach Hause bringen konnten, verschenkten wir zum großen Teil.IMG_4775 IMG_4765                            Am letzten Abend gab es dann auch noch eine Überraschung. Dirk Rohrbach, den Abenteurer den wir von Deutschland kannten und mit dem wir uns in Canada ja schon treffen wollten, hatte seine Pläne umgeworfen, da er mit einem Filmteam in einem Begleitboot die Strecke Whitehorse – Beringsee für eine Arte Doku noch einmal fahren wollte. Vorher aber hat er eine Kanutruppe bis Circle geführt und glücklich uns doch noch gefunden zu haben konnten wir ein paar Stunden Geschichten austauschen.  Kurz darauf brachten wir unsere Confiance zu seinem vorläufigen Überwinterungsquartier bei einem Bewohner von Circle City.                                     IMG_4803 IMG_4787 Die nächste Überraschung folgte am Abreisetag. Früh morgens raschelte es an unserem Zelt. Ein älterer Mann trat ein, erzählte was von einem Jachtclub und von einem Museum welches er in Central unterhielt. Da wir von einem Bewohner von Circle mit dem Auto nach Fairbanks mitgenommen wurden und der Weg über Central führte, wollten wir den Herrn dort zu einem weiteren Gespräch treffen. Das Museum wird für das Hundeschlittenrennen, dem Yukon Quest jedes Jahr als Unterkunft für die Masher genutzt. Unsere Confiance überließen wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge dem Museum. So wird unsere Tour noch lange für Gesprächsstoff in Alaska und dem Yukon Territorium sorgen.

Nach 6 Wochen Reisedauer und 1200 km auf dem großen Fluss war unsere Expedition auf den Spuren der alten Entdecker und Pelzhändler zu Ende. Den immer währende Gegenwind hatte unseren Zeitplan bis an die Beringsee zu gelangen zunichte gemacht. Wir hatten einfach nicht genug Zeit für die Strecke die vor uns lag – aber so ist es oft im Leben. Wir sind glücklich es soweit geschafft und reichlich Geschichten über unsere Reise in Form von Film und Bildern mitgebracht zu haben. Nun sind wir an der Nach-bearbeitung, es werden ein Film und ein Buch folgen. Von einem Grundsatz haben wir uns nicht weder vom Wetter noch von vielen schlauen Leuten abbringen lassen. Es war eine historische Tour und wir haben die Strecke aus eigener Kraft geleistet. So müssen sich die Entdecker der damaligen Zeit gefühlt haben, nur das wir den Luxus besaßen, zu wissen, wann es nach Hause geht.         Text und Fotos Joachim Kreuzer und Manfred Schröter